Wilhelm Weil und die Sorge um die Botrytis (1)

Der Jahrgang 2011 ist alles Mögliche, aber mit Sicherheit weder ein Jahrhundertjahrgang noch ein “Arschjahrgang” (eine Formulierung, die seit einiger Zeit in Mode geraten ist). Er liegt irgendwo dazwischen und ist auf jeden Fall seiner klimatischen Gegebenheiten wegen bemerkenswert. Beim Weingut Robert Weil im Rheingau war das deutlich zu merken. Das Lesegut war 2011 nämlich dermaßen gesund, dass es ziemlich schwierig gewesen sein muss, Beeren- und Trockenbeerenauslesen zu erzeugen. Logisch, dass Wilhelm Weil angesichts der knappen Menge eine Reihe an Mini-Probefläschchen hat füllen lassen. Eine nachvollziehbare Praxis – schließlich genügen 100 ml ganz sicher, um zwei, drei Menschen verkosten zu lassen.

Probeflaschen der ganz edlen Flüssigkeiten (Foto: Wolfgang Faßbender)

Und das Ergebnis? Die 2011er Edelsüßweine, schon an der dunklen Farbe erkennbar, präsentierten sich zu diesem Zeitpunkt schwer zugänglich. Dickflüssig, mit Aromen von Rosinen und einer Menge Würze, aber eben: nicht leicht zu beurteilen. Deutlich zugänglicher waren die glas- und glockenklaren Auslesen (Gräfenberg!), und die Versteigerungsauslese ist zu Recht für eine Versteigerung vorgesehen und gehört zu den Highlights der insgesamt 20 Weine umfassenden Weilschen 2011er Kollektion.

Und die trockenen Weine? Schon der Riesling in der Literflasche machte viel Spaß, der normale Gräfenberg wirkte dagegen sehr verhalten (er wird in diesem Jahr letztmals präsentiert). Das Erste Gewächs ist beachtlich, obwohl ich nicht sicher bin, dass der 2010er übertroffen wird – das würde ich gern noch mal verkosten.

Apropos Erstes Gewächs. Das gab es auch noch ein einer Vertikale gegen den Turmberg zu verkosten. Fortsetzung folgt.

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Der Wein mit dem Kokosschmelz

Am besten schneidet man erst die Reben und geht dann das verkosten, was man im letzten Jahr aus ihnen herausgeholt hat. Im Falle des Riesling Mannwerk 2011 erbrachte diese Verkostung eine echte Überraschung, denn der zweite Jahrgang unseres eigenen Weines wirkte ganz anders als der 2010er. Viel Schmelz und Frucht, durchgegoren bis zum Anschlag und im Nachklang mit einer unerwarteten leichten Kokosnote.

O.k. – wir reden von einem Roh-Wein, der noch auf der Hefe liegt, der demnächst abgezogen wird, eine leichte Schönung mittels Hauseblase bekommt und dann sachte filtriert wird. Ich vermute stark, dass dann vom Kokos nicht mehr viel übrig sein wird, dass aber die Frucht noch klarer herauskommt als jetzt schon.

Erst Weinberg, dann Fasskeller (Foto: WF)

Der Most, eine Assemblage aus zwei Parzellen mit durchaus unterschiedlichen Böden und unterschiedlicher Höhe, wurde übrigens spontan vergoren. Sechsmalige Batonnage, also das Aufrühren der Hefe, und ein Ausbau im alten Holz (siehe Bild) vollendeten das Werk. Nach Abschluss der Gärung wurde leicht geschwefelt, um einen Säureabbau zu unterbinden.

Unser Wein, unser Fass. Und darauf die Geschichte des Weines. (Foto: WF)

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Eiswein, immer und immer wieder

Da denkt man, nun sei der letzte Eiswein des Jahres geerntet – schon kommt ein neuer daher. Die Temperaturen werden immer niedriger, die Mostgewichte immer höher. So wie jetzt beim Markgraf von Baden. Nachdem es am Sonntag bitterkalt war, sollen die Trauben am Montag bei -15°C endlich den perfekten Zustand zur Lese erreicht haben.

Noch eine Eisweinernte... (Foto: Markgraf von Baden)

Laut Pressemitteilung war sogar SKH da – ein Kürzel, das für Nichteingeweihte “Seine Königliche Hoheit” bedeutet und den längst abgeschafften Adel wiederaufleben lässt. Bernhard Prinz von Baden war jedenfalls da und freute sich mit Kellermeister Martin Kölble über Spätburgundertrauben, deren Moste später 280°Oe aufweisen sollten.

Viel kälter ging es fast nicht mehr... (Foto: Wolfgang Fassbender)

Tolle Sache. Aber jetzt ist es auch gut. Wir sollten uns langsam dem Jahrgang 2012 zuwenden.

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Die Grosse Lage kommt

Der VDP reißt sich zusammen. Nach “engagierten und fairen Diskussionen” votierten die Delegierten einstimmig für die Beschlussvorlage zur VDP-Klassifikation. Durch den Beschluss wird im Wesentlichen die Nomenklatur der VDP-Klassifikation logischer aufgebaut, die Bedeutung der Lagen als Herkunft der besten Weine gestärkt und das Mittelsegment klarer strukturiert. Die Beschlüsse treten mit dem Jahrgang 2012 in Kraft. „Mit diesem Schritt positionieren die Prädikatsweingüter  die Lagen endgültig als die absolute Spitze des deutschen Weines. Der leicht verständliche, internationale Grundsatz je enger die Herkunft, umso höher die Qualität wird durchgängig eingeführt, wie es zu den Glanzzeiten deutscher Weine Anfang des 20. Jahrhunderts Usus war. Gleichzeitig erhalten die Regionen die Möglichkeit auch den Unterschieden, die zwischen „Bodensee und Ahr“ herrschen, Rechnung zu tragen und sich selbst noch stärker zu beschränken. Ich prognostiziere, dass je schärfer eine Region oder ein Weingut sich einschränkt und profiliert, desto erfolgreicher wird es am Markt sein“, konstatiert Steffen Christmann, Präsident der VDP-Prädikatsweingüter.

Der VDP hat abgestimmt (Foto: VDP)

Die Beschlusslage der VDP-Klassifikation stellt sich zusammengefasst wie folgt dar:

1) Einteilung der Herkünfte im VDP in vier Stufen

  • VDP Grosse Lage
  • VDP Erste Lage
  • VDP Ortswein
  • VDP Gutswein

2) Umbenennung der bisherigen VDP Ersten Lagen in VDP Grosse Lagen
Durch die Umbenennung der bisherigen VDP Ersten Lagen in VDP Grosse Lagen wird der Widerspruch von Ersten Lagen und Grossen Gewächsen aufgehoben und auch die Gleichrangigkeit der fruchtsüßen Weine aus den Spitzenlagen unterstrichen. Mit der Umbenennung der Kategorie soll ausdrücklich nur der Widerspruch in der Nomenklatur gelöst und nicht eine neue höherwertige Kategorie geschaffen werden.

3) Überprüfung der bisherigen Stufe der Klassifizierten Lage
Alle VDP-Regionen und Güter erhalten den Arbeitsauftrag, ihre Stufe der Klassifizierten Lagen kritisch zu überprüfen. Ziel ist es, nur sehr gute Lagen weiterhin auf dem Etikett auszuloben. Damit wird künftig eine Lage auf dem Etikett zum eindeutigen Qualitätsmerkmal und alle im Hinblick auf „Terroir“ nicht aussagekräftigen Lagen fallen weg. Dadurch wird die Lagenverwendung im VDP insgesamt stark reduziert und bleibt Weinen mit Lagencharakter vorbehalten.

4) Einführung einer zweiten Lagenstufe „VDP Erste Lage“
Die Regionen erhalten die Option, eine Hierarchie in ihrer Lagenverwendung einzuführen. Betriebsübergreifend werden die besten der besten Lagen einer Region in die Kategorie VDP Grosse Lage und die sehr guten Lagen in die Stufe VDP Erste Lage eingefügt. Die Option kann von den Regionen zu einem selbst gewählten Zeitpunkt realisiert werden.

5) Die Regionen erhalten Ausgestaltungsspielräume
Die Regionen erhalten eine weitreichende Ausgestaltungsmöglichkeit, um den jeweiligen regionalen Besonderheiten Rechnung zu tragen, unter Einhaltung des bundeseinheitlichen Rahmens.

6) Klares Votum für „Grosses Gewächs“
Neben der Klarheit in der Kommunikation, dass zukünftig Grosse Gewächse aus Grossen Lagen entstammen, wurde auch einstimmig für die Beibehaltung dieses Begriffes, der mittlerweile international für die besten trockenen Weine aus den besten Lagen Deutschlands steht, votiert.

7) Festlegung der Prädikate auf fruchtsüße Weine
In allen Stufen mit Ausnahme der Kategorie VDP Gutswein ist die Verwendung von Prädikaten nach Festlegung regional fixierter Geschmackskorridore grundsätzlich den restsüßen Weinen vorbehalten. Mit diesem weitgehenden Verzicht auf trockene und halbtrockene Prädikate im Spitzenweinbereich wird den Prädikaten ihre klassische Bedeutung zurückgegeben.

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Großes Gewächs oder wie? Wie ein Deutscher beim Versuch scheitert, einem Schweizer das germanische Weinrecht zu erklären.

Neulich organisierten wir eine Verkostung Großer und Erster Gewächse in der Schweiz. Der Artikel wird in wenigen Wochen in Marmite erscheinen, und an der Qualität der Weine gab es nichts zu deuteln. Die mitverkostenden Schweizer waren ganz begeistert von der Klarheit und Präzision der Rieslinge aus den Jahrgängen 2010 und 2009.

Erstes Gewächs? Großes Gewächs? Erste Lage? (Bild: VDP)

Aber dann ging es ans Schreiben und an die Anfertigung der Tabellen, und in diesem Moment begann das große Verwirrspiel. Versuchen Sie mal, einem Nicht-Deutschen klarzumachen, wo die Unterschiede zwischen Großem und Erstem Gewächs anzusiedeln sind. Wo ich’s doch selbst kaum begreife!

Ich versuchte mein Bestes, begann bei gesetzlichen Regelungen, erwähnte den VDP. Aber irgendwann kamen die bohrenden Fragen. Warum stehen auf der Flasche von Schönborns Marcobrunn-Riesling die Buchstaben GG, wenn es sich doch nur um ein Erstes Gewächs handelt? Weshalb steht bei van Volxems Kanzemer Altenberg nichts dergleichen auf der Flasche, obwohl er bei den Händlern überall als Großes Gewächs gelistet wird? Aus welchen Gründen hat auch das Weingut Loewen an der Mosel ein Großes Gewächs eingereicht, obwohl der Betrieb gar nicht dem VDP angehört? Und schließlich: Steht die “1″ auf dem Etikett jetzt ausschließlich für Erstes Gewächs oder kann damit auch das Große Pendant ausgezeichnet werden?

Erste-Lage-Symbol, aber kein Erstes Gewächs (Foto: WF)

Als ich daraufhin erklären wollte, dass die 1 für Erstes und für Großes Gewächs steht, aber dann auch wieder für keines von beiden, sondern für Erste Lage, brach ich ab. An den Blicken der Mitverkoster erkannte ich, dass niemand auch nur ansatzweise verstand, was ich meinte. Und ich selbst fand die Erklärungen mittlerweile derart verworren und die dahinter stehende Bürokratie so absurd, dass ich auf weitere Versuche verzichtete und nur hilflos abwinkte. Deutscher Wein sei eben, so fasste ich zusammen, ziemlich kompliziert.

Demnächst muss ich meinen Schweizer Freunden in einem ausführlichen Seminar nahebringen, was eigentlich P.C. und G.C. bedeuten, Spezialbezeichnungen, die das Weingut Dr. Bürklin-Wolf nutzt. Ich traue mich gar nicht, überhaupt anzufangen…

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Doch noch Eiswein – aber wenig und gerade so!

Endlich kalt. Endlich Gelegenheit, sich die Handschuhe überzuziehen. In mehreren deutschen Anbaugebieten konnten die Winzer heute Eiswein ernten. In vielen Gegenden wurden die notwendigen Temperaturen allerdings nur ganz knapp erreicht, und auch die Mengen waren bescheiden.

Vielleicht die letzte Chance auf Eiswein: gefrorene Beeren am 17. Januar (Foto: Deutsches Weininstitut)

FRANKEN: Einen der  ersten Eisweine der Saison 2011, einen Silvaner, erntete das Weingut Reiss diesen Dienstagmorgen vor den Toren Würzburgs (Franken) in der Lage Pfaffenberg, bei den erforderlichen sieben Grad unter Null. Auch die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim nutzte mit einer großen Lesemannschaft die Stunden vor Sonnenaufgang zur Eisweinlese.

BADEN: Am Kaiserstuhl konnte das Weingut Gregor & Thomas Schätzle in Vogtsburg-Schelingen 60 Liter Eiswein der Rebsorte Grauburgunder mit 180 Grad Oechsle ernten. Auch die Winzergenossenschaft Königschaffhausen war aktiv.

MOSEL: Die Weingüter Karthäuserhof (Eitelsbach an der Ruwer) und Steffen-Prüm in Maring (bei Bernkastel-Kues) waren erfolgreich. Minus 8 Grad waren es in der Lage Sonnenuhr, der Riesling brachte Gerd Steffen etwa 100 Liter Most und wurde mit 150° Oechsle gemessen.

RHEINGAU: Das Weingut Peter König aus Assmannshausen holte bereits am Montagmorgen die ersten gefrorenen Spätburgundertrauben (162° Oechsle) und setzte die Lese in der Lage Höllenberg 24 Stunden später fort.

PFALZ: Das Weingut Langenwalter-Gauglitz in Freinsheim hat heute die Rebsorten Gewürztraminer, Kerner und Grauburgunder gelesen. Das Weingut Hochdörffer in Landau-Nußdorf konnte am frühen Morgen die Rebsorten Cabernet Mitos und Riesling ernten. DasWeingut Frey in Essingen hat die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Scheurebe, Gewürztraminer und Muskateller mit ca. 160° Oechse gelesen.

(mit Material des Deutschen Weininstituts)

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Wein aus der Mülltonne

Die Polizei der englischen Grafschaft Worcestershire steht vor einem Rätsel. In einem Müllcontainer wurden nach Medienberichten 77 ungeöffnete Flaschen Wein gefunden – darunter teure Weiß- und Rotweine.

Weiter bei Wein-Plus.

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Cinque Terre und nun? Spenden!


Brandschäden in den Cinque Terre (Foto: Merum)

Merum schlägt Alarm. Die ligurische Weinbauregion Cinque Terre im Nordwesten Italiens steht nach Feuersbrünsten, politischen Intrigen und Überschwemmungen vor dem Ruin. Und was es wohl noch nie gab: Merum hat gleich eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die Winzer der Cinque Terre finanziell und moralisch zu unterstützen. Weinfreunde, denen die Rettung des Weinbaus und damit der Terrassenlandschaft der Cinque Terre am Herzen liegt, können sich am Wiederaufbau der eingestürzten Trockenmauern beteiligen. Eine Spende von 150 Euro finanziert den Wiederaufbau eines Quadratmeters Rebmauer mit einer Tiefe von 60 bis 80 Zentimetern.

Wer helfen will, kann auf das folgende Konto einzahlen:

Stichwort: Spendenaktion Cinque Terre
Währung: Euro
Bank: UBS AG, CH-4002 Basel
IBAN: CH08 0023 3233 6097 0262 P
BIC: UBSWCHZH80A
Kontoinhaber: Merumpress AG, Hofacher 24, CH-8627 Grüningen

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Kein Eiswein aus 2011? Na und?

Für den Eiswein des Jahrgangs 2011 sieht es derzeit düster aus. Noch haben nicht alle Winzer die Hoffnung auf allerletzte Lese-Tätigkeiten verloren, aber die Chancen schwinden mehr und mehr. Das Wetter meint es nämlich nicht gut mit den Erzeugern, die Temperaturen haben bislang nicht das notwendige Level erreicht. Minus sieben oder weniger Grad (theoretisch dürften auch bei niedrigeren Werten Eisweinen gelesen werden, praktisch macht das aber keinen Sinn) wurden in dieser Saison noch nicht erreicht.

Beschwerlich, aber manchmal lohnend: Eisweinlese (Foto: Deutsches Weininstitut)

Aber wäre es wirklich so schlimm, wenn auch im Februar kein Frost einträte und die paar Winzer, die noch nicht aufgegeben haben, ihre Eisweinbeeren abschreiben oder als Auslese verarbeiten müssten? Nein, finde ich. Eiswein gibt es mehr als genug nach einem Jahrgang 2009, in dem die Erzeuger in Selbigem baden konnten. Auch aus den Vorjahren wären noch allerlei Bestände verfügbar. Und überhaupt: Trinkt einer noch Eiswein?

Ja, antworte ich mal gleich selbst, bevor einer dazwischenredet. Natürlich trinke ich Eiswein. In meinem Keller liegen noch ein paar Fläschchen aus den vergangenen zehn Jahren, und alle paar Monate öffne ich eines. Na gut, um die Wahrheit zu sagen: 2011 habe ich keines aufgemacht, was wiederum keine Absicht, sondern Zufall war. Spät- und Auslesen mussten sehr viel öfter dran glauben, und auch Beeren- und Trockenbeerenauslesen wurden in den vergangenen Monaten häufiger verkostet.

Folien schützen, können den Verderb der Beeren aber kaum aufhalten (Foto: Deutsches Weininstitut)

Das liegt an mir, aber das liegt auch an den Eisweinen. Verkostet habe ich in meinem Leben schon Aberhunderte, wenn nicht Tausende. Richtig gut waren nur wenige. Gut heißt für mich: klar, absolut sauber, fein und komplex, mit Süße-Säure-Spiel und glockenheller Frucht. Also nicht konfitürig, breit, sauer, unsauber und langweilig.

Das Problem liegt aber schon an der Zubereitung: Wer die Trauben nach dem Herbst in Folie einpackt und dann, bei vielleicht noch mildem bis warmem Oktoberwetter, wochenlang vor sich hin hängen lässt, riskiert viel. Auch wenn die Früchte nicht von Schimmel befallen werden, nehmen sie doch nicht selten eine welke, überreife Aromatik an. Wein aus leicht angegammeltem Traubengut? Braucht das einer?

Foto: Deutsches Weininstitut

Zum Glück gibt es Ausnahmen. Was Weingüter wie Robert Weil oder von Schubert, was die Knebels oder Dönnhoff an Eiswein produzieren, ist atemberaubend klar und fein und unschlagbar. Dafür werden zu Recht hohe Preise fällig, welche allerdings wiederum nur selten jene der wirklich großartigen Trockenbeerenauslesen erreichen. Und die sind meist nochmals komplexer und intensiver als der beste Eiswein.

Das letzte Jahr mit Eiswein-Komplettausfall war 1974. Auch 1934 sah es düster aus. Ob sich 2011 da einreiht, ob sich das gar als Hinweis auf den Klimawandel werten lässt, weiß ich nicht. Tragisch ist es auf keinen Fall.

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Schaumwein für die Feiertage (5) – Egly-Ouriet

Den besten Schaumwein der letzten zwei Wochen gab es nicht an Silvester, sondern an Neujahr. Vor allerlei Bordeaux der Ausnahmekategorie (1958er Canon von überraschender Frische). Egly-Ouriets V.P.-Champagner, 61 Monate auf der Hefe gereift, ist ein Beispiel für einen Extrem-Schaumwein, der sicher nicht bei jedem Genießer auf Begeisterung stoßen dürfte.

Alles andere als Mainstream: Egly-Ouriets V.P.

Dazu ist der Vieillissement Prolongé, der aus viel Pinot noir und wenig Chardonnay assembliert wurde, garantiert zu intensiv, zu mineralisch, zu eigenwillig. Ein Teil der Grundweine reifte im Barrique, der fertige Wein wurde mit einer lediglich symbolischen Dosage aufgefüllt. Herausgekommen ist ein duftiger, noch sehr frischer Champagner mit leichter, unaufdringlicher Vanillenote und enormer Würze – sehr straff, sehr geradlinig, deutlich nach Kräutern schmeckend, lang und fordernd, mit beachtlicher Säure. 93-94/100

Zu kaufen, zum Preis von 59 Euro, in Freiburg.

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